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GESCHICHTE DER FREIBURGER STRASSENBAHN   ab 1901
Eine Kurzversion von Hanspeter Schlatterer
 

 1.Etappe  Der Anfang

Die Geschichte der Straßenbahn in Freiburg beginnt bereits vor der Jahrhundertwende, als einige Herren der Stadt beschlossen, dass ungenügende Pferdebussystem durch eine Pferdestrassenbahn zu ersetzten.
Es gab Pläne für ein komplettes Pferdebahnnetz, eingleisig mit Ausweichstellen. Das Netz war ähnlich aufgebaut wie wir es heute kennen. Allerdings sollten die Schienen durch die schmale Rathausgasse führen.
Freiburg entschied sich dann aber dich für eine Moderne Lösung, DIE ELEKTRISCHE STRASSENBAHN. Problem war, dass die Stadt damals über kein Elektrizitätswerk incl. Netz verfügte.
So wurde im Jahre 1900 der Beschluss zum Bau eines Elektrizitätswerkes und einer Elektrischen Straßenbahn gefasst.
Diese sollte dann auch der Größe Verbraucher sein.

Bereits im Jahre 1901 konnte die erste Linie A Rennweg - Wonnhalde in Betrieb genommen werden.
 

 

Die ersten Triebwagen kamen aus Hannover von der Firma HAWA. Es waren 27 2achsige Triebwagen und 4 Beiwagen, von denen 3 als Sommerwagen in offener Bauart ausgeführt waren.
Die Wagen waren mit offenen Plattformen und hatten 2 Stirnlampen.
Lackiert waren die Wagen in typischen Straßenbahnbeige, hatten aber die Seitenflächen mit Mahagoniholz verkleidet, auf denen das Stadtwappen erhaben prangte. Dieser Stil sollte bis zum zweiten Weltkrieg beibehalten werden, allerdings wurden die Frontpartien später ( ab ca. 1914) verglast und nur eine Stirnlampe eingebaut.
 

Bis zum ersten Weltkrieg war das Netz auf 5 Linien angewachsen.

Zwischen den Kriegen verhinderten Inflation und die ersten Busse einen Ausbau des Netzes. Die Linie 6 wurde von der Goethestr. zur Lorettostr. Zurückgezogen.
Als 1935 die Höllentalbahn neu trassiert wurde und der Wieherbahnhof als Hauptanlaufpunkt wegfiel wurde die Linie ganz eingestellt. Die Betriebsanlagen wurden aber weiter genutzt, um in den Betriebshof Süd in der Urachstraße einzufahren. Im zweiten Weltkrieg ging die Linie 6 wieder in Betrieb weil aufgrund der Treibstoff- und Reifenknappheit der Busbetrieb ausgedünnt wurde.
1959 war dann endgültig Schluss für die Straßenbahn durch die Wiehre, die letzten Jahre diente die Stracke nur noch für die Theaterwagen zur Einfahrt in den Betriebshof-Süd sowie für diverse Betriebsfahrten. Die letzten Gleise wurden 1977 aus der Hildastraße entfernt.

Der Krieg ging auch an der Straßenbahn in Freiburg nicht vorbei, einige Wagen überlebten den Bombenhagel von 1944 nicht. Die Oberleitung lag am Boden, die Gleise waren mit Schutt überlagert. Ein Betrieb war nur noch in Teilstücken möglich.
 

 2.Etappe  Kriegszerstörung Wiederaufbau Neubauwagen Stilllegungen Autowahn der 60er Jahre
 

Als nach dem Krieg alles danieder lag, nutzte die Straßenbahn diese Zwangpause um den Wagenpark wieder instand zu setzten. Bereits im Jahre 1945 fuhren schon wieder die ersten Linien unter anderem Schwabentor-Littenweiler, dieser Teil blieb vom Bombenhagel verschont. Die französischen Besatzer hatten Interesse daran das der Betrieb wieder voll Einsatzfähig wird. Damals wurde mit allem gefahren was Räder hatte. Waren keine Scheiben mehr in den Wagen dann tat es auch Sperrholz oder Pappe.
 

1949 wurden die alten Beiwagen mit neuen Aufbauten versehen. Die schöne Mahagoniholzverkleidung an den Seiten waren verschwunden. Tristes Creme beherrschte das Bild.

 
Der Verbandstyptriebwagen. Bild: Peter Burgenmeister



1951
tauchte mit dem
Verbandstyp der erste Neubau auf. Der Verbandstyp war aber keineswegs eine Neuentwicklung. Der Typ basiert in wesentlichen auf dem KSW-Wagen der 30-40ger Jahre.Wenn man bedenkt, dass in den USA schon in den 30ger Jahren im Einmannbetrieb und mit automatischen Falttüren gefahren wurde ist der Verbandstyp kein Meilenstein in der Straßenbahnentwicklung.1953 wurden dann noch einige der alten HAWA Triebwagen zu Beiwagen umgebaut.
 

1959 kam mit dem ersten Gelenkwagen nun auch der Fortschritt nach Freiburg. Allerdings waren die Wagen Herkömmliche Verbandstypen mit einem aufgesattelten Nachläufer und Automatischen Falttüren. Eine richtige Revolution waren auch diese Wagen nicht. Bei einer Stückzahl von nur 3 Wagen und der Stilllegung der Linie 5 Haslach-Herden 1961 könnte man vermuten das der Straßenbahn in Freiburg keine allzu große Zukunft zugesagt wurde.


Der 4-achsige Gelenktriebwagen "GT4"    Bild:
Klaus Rothenhöfer

 

Als aber 1962 die Kurzgelenkwagen vom Typ GT4 in Freiburg eintrafen war diese Hypothese verworfen.
Die Stadt Freiburg schaute sich wohl nach einem Leistungsfähigen Typ um und wurde in Stuttgart fündig. Der GT4 war da.
Der Typ Freiburg unterscheidet sich jedoch vom Stuttgarter durch seine Zweirichtungsausführung und die Fehlende Traktionsfähigkeit.
In den Verkehrsspitzen wurden die alten Verbandstypbeiwagen den Fahrzeugen angehängt. So wurde bis 1981 gefahren.
Es wurden 19 Wagen angeschafft, die zweitgrößte Beschaffung seit bestehen der Straßenbahn.
 

 3.Etappe  Stadtbahnplanung / Der GT8 Geamatic kommt!
 

Um 1971 schlug dann das letzt Stündlein für die Straßenbahn, in einer Zeit, in der es zum guten Ton gehörte sich auf der Autobahn zu Tode zu rasen, 30 Zonen Hirngespinste und Umweltschützer Staatsfeinde waren, hatte die Umweltfreundliche Straßenbahn keinen Platz mehr. Vielmehr sollten die Städte autofreundlich umgestaltet (verschandelt) werden. Doch Freiburg sollte nicht zum Opfer dieser Pläne werden, es kam ganz anders.


Der GT8 "Geamatic"    Bild: Florian Fuss

Auf einem Küchentisch irgendwo in Freiburg wurde eine Straßenbahn entwickelt, die mit nur einer Person Personal über 200 Fahrgäste
transportieren könnte. Somit war die Straßenbahn wieder rentabler als der Gelenkbus.
Der GT8 Geamatic war geboren.
Dreiteilige Straßenbahnen gab es ja schon, aber 3teiler mit 30 Meter, das war neu.
Durch das verlegen der Jakobsdrehgestelle unter die mittlere Einheit, also ein TW4 in der Mitte, konnte die Länge auf 30 gesetzt werden ohne die Hüllkurve (Lichtraumprofil in der Kurve) zu überschreiten.
1971 war es dann soweit Wagen 201 machte sich auf den Weg von der Hornusstr. nach Littenweiler.
Mit Indienststellung der 4 GT8 Triebwagen konnten die 3Wagenzüge aus Verbandstypen endlich aus dem Liniendienst genommen werden.
Eine Fußgängerzone und der Beschluss zum Bau einer Stadtbahn machten die Pläne der 60/70ziger Jahre einer Autogerechten Stadt ohne Straßenbahn zunichte.

1978 erster Spatenstich für die Stadtbahn nach Landwasser. Nach vielen Debatten und Gutachten über Hochbahn. U-Bahn vom Theater zum Runzmattenweg und Kabinen Taxi (CAT) ging es nun an die Arbeit.
1981 kam eine weitere Serie
GT8 Wagen nach Freiburg, um für den Ausbau des Netzes genug Fahrzeuge bereit zu haben. Mit eintreffen der GT8 Wagen Nr. 205-214 könnten die schon lange nicht mehr zeitgemäßen Verbandstypbeiwagen abgestellt werden. Zudem trugen die Wagen auch noch die neuen Farben des Verkehrsbetriebs, rot weiß. 1991 kam eine Weitere Serie mit Niederflurmittelteil dazu.
 

1983 wurde das erste Teilstück zur Paduaallee eröffnet, 1985 war dann Landwasser erreicht, sowie ein Anschluss ab Runzmattenweg nach Weingarten / St.Georgen-Haid gelegt.
Es sollte jedoch bis 1994 dauern bis die ersten Bahnen auf die Haid durch Weingarten rollten. Sogar ein Hochhaus musste weichen.
Ursprünglich war geplant, und schon finanziert, die Bahn über die Haid bis nach St-Georgen zum Friedhof zu führen.
Irrationales Denken in den Köpfen einiger einflussreicher Personen im Bürgerverein sowie im Pfarrgemeinderat St-Georgen machten diese Pläne zunichte. Für die neue Linie auf die Haid brauchte man wieder neue Wagen.
Der GT8Z kommt.
Bassierend auf dem GT8 Wagen wurde nun ein Zweirichtungsniederflurfahrzeug konstruiert, daß auch auf den Linien mit Gleisstumpf verkehren konnte.
Das Ende der GT4 war gekommen.
Mit 26 Stück war der GT8Z jetzt eine der größten Beschaffungen. Das Netz wurde zügig ausgebaut als die Stadt beschloss im Rieselfeld einen neuen Stadteil zu errichten, wurde die Tram gleich miteinbezogen. 1997 fuhr die erste Bahn ins Rieselfeld.

 

 

 4.Etappe Combino + Ausbau des Stadtbahnnetzes
 

Kaum war die Rieselfeldlinie fertig, liefen die Planungen für die Erschließung von Haslach auf Hochtouren.
2002 konnte der erste Abschnitt bis zum Pressehaus eröffnet werden 2004 folge dann der Lückenschluss bis zur Johanneskirche.
Wieder war es an der Zeit Fahrzeuge zu beschaffen zuerst wurde überlegt noch einmal eine Serie Z-Wagen aufzulegen, dies wurde aber verworfen.
In der Zwischenzeit hat sich der Strassenbahnmarkt verändert der 100% Niederflurwahn war ausgebrochen. Ergebnis war ein Multigelenkfahrzeug.
Der Combino kommt. Heute gehören diese Riesenschlangen zum alltäglichen Bild in Freiburg.



 

 


100 % Niederflur - Der COMBINO.  Bild: Dieter Plocher


2006 war es dann wieder soweit, der Stadtteil Vauban bekam seine Strassenbahn,
Gleichzeitig wurde das Liniennetz völlig neu geordnet. Heute gibt es in Freiburg 4 Stadtbahnlinien.

Damit sind wir am Ende unserer Kurzgeschichte über die Straßenbahn in Freiburg.

 

Die heutige Straßenbahnflotte finden Sie bald im Bereich "Fahrzeuglisten".

Unser Tipp: Erwerben Sie den Film "Die Geschichte der Freiburger Straßenbahn" vom EK-Verlag.

NVB Geheimtipp: Stadtbahn-Impressionen ein Film von Siegfried Spenke. Eine Liebeserklärung an die Freiburger Straßenbahn. Bei Interesse fragen sie Uns.
 

Fachbegriffe

TW2
Straßenbahntriebwagen mit 2 Achsen


BW2

Straßenbahnbeiwagen (Anhänger) mit 2 Achsen

Drehgestell
2 Achsen zusammen in einem kleinen Rahmen mit Drehpunkt an der Karosserie befestigt.

Maximum Triebwagen
Straßenbahntriebwagen mit Drehgestellen, 4 Achsen größtmögliche Länge, nur 2 Achsen angetrieben.

Verbandstyp
Verband des Öffentlichen-Nahverkehrs in Deutschland VÖV entwickelt Standard-Fahrzeuge für Verkehrsbetriebe.

Traktionsfähig
Traktion ,mehrere angetriebene Fahrzeuge hintereinander von einem Führerstand aus gesteuert.

Sattelgelenkwagen
Gelenktriebwagen bei dem das Hinterteil wie beim Sattel-LKW ohne Antrieb aufgesattelt ist..

Gelenktriebwagen
Triebwagen mindestens einem Gelenk. Das Gelenk ergibt eine bessere Kurvengänigkeit.

GT4--------------------------------------Gelenktriebwagen 4 Achsen

GT8--------------------------------------Gelenktriebwagen 8 Achsen

GT8Z------------------------------------Gelenktriebwagen 8 Achsen in beide Richtungen fahrbar.

Combino
Straßenbahnen die man wie ein Baukasten (LEGO) auf Kundenwunsch schnell zusammenbauen und liefern kann. Lange Wartezeiten und Sonderkonstruktionen sollen dadurch vermieden werden.